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Jury Spiel des Jahres empfiehlt Kennern "Russian Railroads"

Für dieses Spiel braucht man Power im Kessel: "Russian Railroads" ist eine komplexe Herausforderung für Planer, Strategen und Optimierer"

19.05.2014

Für dieses Spiel braucht man Power im Kessel: "Russian Railroads" ist eine komplexe Herausforderung für Planer, Strategen und Optimierer

In dieser Woche wählte die Jury ꞌSpiel des Jahresꞌ die besten Spiele des Jahrgangs 2014, aus denen dann am 14. Juli in Berlin das ꞌSpiel des Jahresꞌ und ꞌKennerspiel des Jahresꞌ gekürt wird. Für Spieler, die sich gerne mal die Nacht um die Ohren schlagen und denen es am Spieletisch gar nicht komplex genug zugehen kann, für echte Kenner also, empfehlen die Juroren in diesem Jahr u. a. "Russian Railroads". Bei diesem Worker-Placement-Spiel braucht man echt viel Power im Kessel, um das Streckennetz, das die Spieler für die Transsibirische Eisenbahn errichten sollen, erfolgreich knüpfen zu können. Worum geht’s bei diesem anspruchsvollen Spiele-Werk für Planer, Strategen und Optimierer?

Am Ende des 19. Jahrhunderts entscheidet sich Zar Alexander III. in Russland für den Bau der Transsibirischen Eisenbahn, um das rohstoffreiche Sibirien zu erschließen und einen Zugang des Riesenreiches zum chinesischen Markt zu erreichen. Um Russland in Zeiten der aufkeimenden Industrialisierung in die Moderne zu führen, sollen jedoch nicht nur die Schwellen für 9.288 Schienenkilometer bis nach Wladiwostok an den Pazifik gelegt werden, sondern gleich auch in den Süden bis nach Kiew, der ꞌMutter aller russischen Städteꞌ, und nach Norden bis Sankt Petersburg an den Finnischen Meerbusen. Schließlich sollte der russische Doppeladler nicht nur über Asien, sondern auch über Europa kreisen. Ein gewaltiges Vorhaben, das ebensolche Investitionen verlangte wie ganze Kerle für deren Umsetzung. Letzteres fordert jetzt auch das komplexe Strategiespiel des Hans im Glück Verlags, das ein echtes Schwergewicht ist und auch Vielspielern jede Menge Spielreiz bietet.

"Russian Railroads" hat sich das Autorenduo Helmut Ohley und Leonhard Orgler einfallen lassen. Im Mittelpunkt des spannenden Wettstreits zwischen bis zu vier Spielern (ab zwölf Jahren) steht der strategische Ausbau und Unterhalt der drei Eisenbahnstrecken und die Industrialisierung. Alles und alle, die dabei helfen können, liegen bei "Russian Railroads" in riesigen Depots oder sind bereit, die Ärmel aufzukrempeln: U. a. jede Menge Gleise, natürlich auch unterschiedliche Lokomotiven und ein wenig Geld; dazu natürlich geschickte Ingenieure und eine große Schar von Arbeitern, ohne die nichts geht. Nicht nur das Projekt ist gewaltig, sondern auch das Spielmaterial, das die Erbauer von "Russian Railraods" vor sich um und auf dem großen Spielplan ausbreiten.

Es gibt verschiedene Strategien, um möglichst gewinnbringend die Transsib und die Strecken nach Kiew und an die Newa auszubauen, neue Lokomotiven zu erwerben, die Industrialisierung kontinuierlich voranzutreiben. Für all das gibt's nämlich Punkte – und die möchte jeder Mitspieler möglichst erfolgreich sammeln. Dabei gilt es, die Möglichkeiten im Blick zu behalten, Ingenieure anzuwerben und diese in jeder Situation sinnvoll und taktisch klug einzusetzen. Mit einfachen Gleisen erreicht man schnell wichtige Orte, während man mit der Modernisierung des Streckennetzes die Maschinerie erst so richtig in Fahrt bringen kann. Neue Loks legen größere Entfernungen zurück und Fabriken schaffen Fortschritt. Um an der Konkurrenz vorbeizuziehen, stehen spezielle Ingenieure bereit, die extra "Dampf" machen. Es gibt viele Möglichkeiten, um bei "Russian Railroads" die Weichen auf Sieg zu stellen. Doch wer hat die meiste Power im Kessel – wer bleibt auf der Strecke?

Die besten Siegchancen bei "Russian Railroads" hat derjenige, der nicht nur eine Strategie verfolgt, sondern in diesem stark vernetzten Spiel eine gute Mischung hinbekommt. Da gilt es, geschickt mit seinen Ressourcen zu haushalten, denn wer sich überall beteiligt, wird am Ende alles verlieren. Doch die Entscheidung fällt mitunter schwer: Die Strecke der legendären Transsib nach Wladiwostok sorgt für die Modernisierung der Gleise und kann am weitesten ausgebaut werden. Die Streckenführung nach Sankt Petersburg ist lukrativ und wichtig, um während des Spiels voranzukommen. Wer die Gleise nach Kiew favorisiert, kann u.a. mit schnellen Punkten rechnen. Was also tun?! Vielleicht doch noch mehr Fabriken errichten und gekonnt nutzen, um den Bahnbau voranzutreiben? Wo die Arbeiter am besten einsetzen? Welcher Mitspieler schwächelt (was bei einer Spieldauer von bis zu zwei Stunden durchaus mal vorkommen kann)? Welche Chancen ergeben sich, welche muss man zuerst ergreifen?

Wie immer auch: Wer bei "Russian Railroads" am besten Dampf ablassen kann, muss gut managen und noch besser optimieren können. Wer dabei im spannenden Wettstreit mit den anderen Streckenbauern trotzdem "an die Wand fährt", mag sich damit trösten, dass Zar Alexander III. bei einem Zugunglück in Borki mit dem Schrecken davon kam. "Russian Railroads" führt an dem russischen 500 Seelen-Dorf allerdings nicht vorbei…

Das von der Jury auf die ꞌEmpfehlungsliste Kennerspiel 2014ꞌ gesetzte "Russian Railroads" ist mit viel Spielmaterial ausgestattet. Von den Juroren hervorgehoben wurde die "außerordentlich gute Spielanleitung", die 24 Seiten umfasst und damit Kenner, die komplexe Spiele goutieren, so richtig auf den Geschmack kommen lässt. Das auch grafisch schön gestaltete "Russian Railroads" kostet ca. 38 Euro und damit nicht 'mal 10 Prozent des Preises, das man heute für ein Schlafwagenticket der Transsib von Moskau nach Wladiwostok hinlegen muss. Weitere Informationen: www.hans-im-glueck.de und www.schmidtspiele.de

Russian Railroads
Spieltyp: Worker Placement-Spiel für Planer, Strategen und Optimierer
Autoren: Helmut Ohley und Leonhard Orgler
Grafik: Claus Stephan und Martin Hoffmann
Redaktion: Moritz Brunnhofer
Verlag: Hans im Glück
Vertrieb: Schmidt Spiele
Anzahl: 2 – 4 Spieler
Alter: ab 12 Jahren
Dauer: ca. 120 Minuten
Preis: ca. 38 Euro

Die Autoren:
Helmut Ohley wurde vor 45 Jahren in München geboren und lebt seit 2006 in Haimhausen. Besonderer Dank beim Entwickeln von "Russian Railroads" gebührt seinem Zwergschnauzer Carl-Emil vom Auental, da Ohley beim Gassi gehen im Wald meist die besten Ideen hat!

Leonhard Orgler, Jahrgang 1969, lebt in Maria Enzersdorf südlich von Wien. Von Beruf Sonderpädagoge zeigt er sich in seiner Freizeit von seiner kreativen Seite als Buchautor, Schauspieler und Spieleerfinder. Begonnen hat Letzteres 1994 mit einigen Eisenbahnspielen im Eigenverlag und mündet jetzt in die Koproduktion mit Helmut Ohley für den Hans im Glück Verlag.

Die Grafiker:
Claus Stephan und Martin Hoffmann leben und arbeiten im Rheinland als Grafiker und Illustratoren. Seit vielen Jahren gestalten sie unter anderem Spiele und Bücher, gerne auch gemeinsam. "Eine gute Balance zwischen Form und Funktion im Team mit Redakteuren und Autoren zu finden, ist eine spannende und reizvolle Aufgabe beim Spiele-Design."

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